August 20th, 2010

Salon Atelier | Dortmund | West

Ganz weit im Westen der Dortmunder City, im Schatten des Us, wo die Sonne untergeht und wo man von den ganzen Kulturinitiativen und Stadtmarketing-Aktionen nichts mitbekommt, dort haben sich junge Künstler angesiedelt und leisten kulturelle Pionierarbeit. Mitten zwischen Streetlife und Kiezkneipen haben Roland Baege, Anne Bekker, Stefan Gutsche, Astrid Kämmerling, Ilona Kohut, Alischa Diana Leutner, Natalie Roeder, Frederic Roos und Katja Tönnissen den Salon Atelier ins Leben gerufen, arbeiten und zeigen dort Kunst. Wir sprachen mit zweien von ihnen, unter anderem darüber, wie gut sie im “Problemviertel” ankommen und wie bereichernd die selbstgewählte Konfrontation mit dem anderen Dortmund sein kann.

Was macht Ihr hier?
Anne: Wir sind neun Leute, die hier frei arbeiten und Kunst machen. Jedes halbe Jahr machen wir eine kleine Werkschau und zeigen die Sachen, die dabei entstehen, also Malerei, Fotografie, Zeichnungen, Installationen und Skulpturen.

Stefan: Wir kennen uns alle aus dem Studium und als es auf’s Ende zulief, wollten wir weiterhin zusammen arbeiten und einen Raum dafür haben. Dann ist eines zum andern gekommen. Dieses Ladenlokal war auch tatsächlich das erste, wo wir angefragt haben. Wir wohnen fast alle in der Ecke und hatten viel Glück mit der Vermieterin, die uns sehr entgegengekommen ist. Das ist natürlich ein Risiko, wenn da so Studenten kommen – da weiß man als Vermieter nicht, was da jetzt kommt, ob man sein Geld reinbekommt etc. Aber das Ding stand die ganze Zeit leer und die Vermieterin hatte keine Lust, dass hier ein Teleshop, Internetcafé oder sonstwas reinkommt, davon gibt es hier schon genug. Wir haben am Anfang auch erst einen befristeten Vertrag bekommen. Ich glaube die erste Ausstellung, die sie von uns hier gesehen hat, war dann der Punkt der sie überzeugt hat. Seit Februar 2009 sind wir jetzt hier drin – wir haben also vor 2010 angefangen und werden auch nach 2010 noch hier sein.

Anne: Es stand von vornherein fest, dass es ein Ladenlokal sein sollte, etwas mit großen Fensterflächen. Wir wollten auch diese Schwellenangst vor der Kunst abbauen, den Mythos Kunst. Wir bieten den vorübergehenden Leuten an reinzugucken und einen Zugang zur Kunst zu finden.

Stefan: Wie gut das funktioniert war uns am Anfang gar nicht klar. Wir wussten ja nicht, wie viel Publikumsverkehr hier ist und ob das überhaupt angenommen wird … es war sicherlich auch ein Reiz, vor den Augen der Öffentlichkeit zu arbeiten. Das kann auch nicht jeder. Es zeigte sich dann relativ schnell, dass die Akzeptanz und das Interesse von den Leuten, die hier wohnen, unheimlich groß ist. Von den normalen Anwohnern bis zu den Betrunkenen, die sich gegenüber am Kiosk noch ein Bier holen und dann hier am Fenster stehen und gucken.

Was ist die Idee hinter dem Salon Atelier?
Stefan: Dortmund ist nicht so bekannt für seine Kunstszene – wir waren der Meinung, dass das auch eine Chance sein kann. Wenn man so etwas in Düsseldorf, Köln, Hamburg oder Berlin machen würde, würde es keinen interessieren, dort gibt’s das zuhauf. Und natürlich will man als Künstler auch Öffentlichkeit haben, das war auch eines der Ziele. Die Aufmerksamkeit war ja auch da, nur nicht von den Leuten, von denen wir sie uns erhofft hatten. Die Leute, die in der Stadt eigentlich für Kunst und Kultur zuständig sind, die haben lange, lange gebraucht um überhaupt zu verstehen, dass hier etwas passiert.

Anne: Weil Kunst in Dortmund kein großes Thema ist, kann man nur auf diesem Weg etwas erreichen. Von der Stadt ist dieser Schritt nicht gekommen, also haben wir gedacht wir machen das jetzt selbst. Anscheinend wird es hier von allen gut angenommen, so dass wir auch oft als erstes Beispiel genannt werden wenn es um Kunst in Dortmund geht.

Was ist das Besondere am Salon Atelier?
Stefan: Dass es so eine Art Zwitterding ist. Viele denken erstmal, es sei ein Atelier – was es nicht ist, weil es eine Öffnung nach außen hat. Und natürlich, dass wir hier nicht in abgetrennten Bereichen arbeiten, sondern diesen einen großen Raum haben, wo alle zusammen arbeiten und dementsprechend immer im Austausch sind, der auch befruchtet.

Anne: Es ist weder ein Hinterhofatelier, noch nehmen wir eine abgehobene Stellung ein und zeigen unsere Sachen in einem sauber geputzten „White Cube“. Wir zeigen ehrlich, wie Kunst entsteht, dass sie auch in der Kommunikation mit anderen entsteht und dass es möglich ist, sie zu beeinflussen, was auch Aussenstehende schnell erkennen können. Der Raum ist wirklich immer für jeden offen. Wenn hier Licht brennt, kann man reinkommen und Gespräche führen. Wir erzählen immer wieder, was wir machen und was für eine Idee dahintersteckt. Gerade auch in diesem Viertel zu sein, das nicht so betucht ist und wo das Kunstinteresse nicht so selbstverständlich ist, das finden wir total interessant.

Was ist Euer Lieblingsstück hier?
Anne: Als Künstler ist man eigentlich nie zufrieden und deshalb ist der Prozess des Arbeitens an den eigenen Sachen das größte Glück. Das kommt so aus einem raus, wir fertigen ja keine Sachen und sagen danach „Jetzt ist es perfekt“.

Stefan: Unser Lieblingsding ist vielleicht der Raum an sich, der sich ständig wandelt. Ihr seht ihn zum Beispiel gerade in einer Post-Ausstellungs-Situation, aber hier sah es auch schon ganz anders aus. Wenn wir hier arbeiten, sind die Wände voll und überall hängen Sachen. Der Raum wandelt sich unglaublich oft. Ich sehe gern, wie er sich ständig verändert.

Welchen Ort im Ruhrgebiet empfehlt Ihr?
Stefan: Das Ruhrgebiet ist vielleicht selbst als so ein Ort zu verstehen. Es liegt ja alles nah beieinander … aber klar, dadurch dass wir hier hingekommen sind um hier zu studieren, haben wir hier unsere Verwurzelung. So blöd oder zäh das auch manchmal läuft mit den Leuten die hier in der Stadt sitzen, genauso toll läuft es hier auch an anderen Stellen. Dortmund ist unheimlich vielfältig und das trägt dazu bei, dass wir Dortmund toll finden. Wir sind auch in der Freizeit gern hier, wenn wir weggehen. Es gibt viele Parks und Clubs, man fährt in den Hafen oder in den Westpark und baut seinen Grill auf.

Anne: Das Café Max hier in Dortmund ist ein richtig süßes Café und da gibt’s auch leckeres Essen.

Stefan: Ich habe im Kreuzviertel gewohnt und da gibt’s auch 1000 Möglichkeiten.


Salon Atelier
Adlerstr. 66 | 44137 Dortmund |
KARTE
www.salon-atelier.de

Öffnungszeiten
Mittwochs 16.00 – 18.00 Uhr

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2 Responses to “Salon Atelier | Dortmund | West”

  1. Lisa Says:

    Aww, voll süss was die machen… wie heisst die Hose die der Typ rechts trägt und mit welchem Kleber machen die ihre Pappen, finds voll stylish und auch die Fotos sind super…Lg

  2. der typ rechts Says:

    der typ rechts trägt ‘ne nudie grim tim dry dirt organic in 31/34.
    welche pappen?

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