Nonstopnerds | Designer | Ruhrstadt
Bei ihrer “Unplugged”-Ausstellung im Bochumer Westpark trafen wir die Nonstopnerds. Die sympathischen Jungs und Mädels hinter dem Designkollektiv und gleichnamigen Blog stellten spontan ihre sehr freshen, freien Arbeiten analog aus und luden bei der Gelegenheit zum gemütlichen Abhängen ein. Bei traumhaftem Wetter, Bier und Grillgut sprachen wir mit den Nerds Timo, David und Dennis über das Leben und Arbeiten im Ruhrgebiet, über ihre Vernetzung in der Szene und über die Eigenbrödlerei im Pott.
Wer sind die Nonstopnerds?
David: Wir sind ein Designkollektiv. Wir haben uns vor zwei Jahren im Studium kennengelernt und beschlossen, uns eine Plattform zu schaffen um uns auszutauschen und Feedback zu geben. Bloggen war zu der Zeit ziemlich aktuell und deswegen haben wir ein Blog eingerichtet. Das hat sich dann irgendwie verselbstständigt, es sind mehr Leute dazugekommen und es ist zu dem Kollektiv angewachsen, das wir jetzt sind.
Dennis: Ein Kollektiv zu formen war gar nicht geplant. Wir haben das Blog einfach aus Spaß gegründet und viele Leute fanden es cool und wollten mitmachen. Durch die Ausstellungen, das Zine und so weiter ist daraus dann das Kollektiv entstanden.
Viele von Euch sind im Pott zuhause – was bedeutet es für Euch, hier zu sein?
David: Heimat. Man findet natürlich immer Sachen, die einem nicht gefallen, aber letztlich geht es auch um die Frage, ob man hier das machen will, was andere woanders machen.
Timo: Wir sind hier alle aufgewachsen und haben eine starke Verbindung zum Ruhrpott. Ich kann mir nichts schöneres vorstellen, als hier zu sein. Ich finde die Leute hier auch gut, die sind super offen. Und ich finde, dass es hier überhaupt nicht so dreckig ist, wie es immer in der Aussenwirkung dargestellt wird. Mich zieht es nicht weg und wenn ich die Möglichkeit habe, dann bleibe ich auch.
Dennis: Das alles so nah ist, ist auch super, das sieht man ja auch an unserer Truppe: wir sind hier aus Dortmund, Herne oder Bochum. Man kommt auch schnell überall hin, zehn Minuten bis Dortmund oder Essen, daraus ergeben sich auch viele Möglichkeiten.
Timo: Die Verbundenheit der Städte ergibt auch etwas ganz besonderes, anders als wenn man nur eine einzige Stadt hätte. Es gibt Unterschiede zwischen den Städten, aber es ist auch ein Verbund. Der Ruhrpott ist eigentlich gut.

Seht Ihr Eure Arbeit programmatisch, wollt Ihr hier etwas bewegen und aufbauen?
Dennis: Auf jeden Fall. Zurzeit passiert ja schon einiges, in Dortmund gibt es zum Beispiel All the time oder Animalism, aber es geht noch viel mehr.
David: Das meiste läuft hier momentan noch in dem gesponserten Milieu. Im Underground passiert im Designbereich noch nicht viel.
Timo: Aber man merkt schon, wie die Szene wächst. Es gibt auch immer positives Feedback von den Leuten, wenn wir Ausstellungen machen oder Vorträge wie bei Pecha Kucha. Die Leute finden es super, wenn man sich versammelt hat und hier was macht. Ich finde das überraschend, weil es für mich nichts Neues ist. Ich hatte immer mit Leuten zu tun, die was gemacht haben.

Apropos „Leute, die was machen“ – könnt Ihr etwas dazu sagen, mit wem Ihr hier vernetzt seid und zusammenarbeitet?
Dennis: Sehr wichtig ist auf jeden Fall die Verbindung zu Heimatdesign, die wir durch unsere Ausstellung dort bekommen haben. Dadurch haben wir zum Beispiel die Möglichkeit bekommen, bei Concrete Playground mitzumachen.
David: Da ergibt sich schon einiges, weil die natürlich auch über ein gewisses Netzwerk verfügen, das ist ein super Knotenpunkt. Aber es ist schwer, das auf Einzelpersonen runterzubrechen. Einzelne Mitglieder von uns haben ja auch eigene Projekte am Laufen, YAWN sind zum Beispiel bei uns mit drin, eine Hälfte von YAWN ist aber auch Teil der Agentur Radau Gestaltung in Dortmund …
Dennis: Mit all the time aus Dortmund arbeiten wir auch zusammen.
David: Die haben grad eine super Gelegenheit, immer Samstags einen Leerstand gestalten zu dürfen …
… die alte Seilerei am Dortmunder Hafen …
David: … genau. Und die haben uns eingeladen, mal dort auszustellen. So etwas ist immer spannend und auch eine Bestätigung für uns.
Timo: Solche Dinge ergeben sich, wenn man selber aktiv wird und nicht darauf wartet entdeckt zu werden.
Dennis: So war das auch beim OK Festival, ein Independent-Magazin-Festival in Arnheim. Wir haben ja ein eigenes, kleines Zine ins Leben gerufen und wurden dann von denen eingeladen, nach Arnheim zu kommen.
Timo: Kurz darauf war auch das Grafikdesign Festival in Breda, dort wurde unser Zine auch ausgestellt.
David: Es lohnt sich, was zu machen und die Öffentlichkeit zu suchen. Durch das Blog sind wir rausgekommen und haben eigene Sachen angefangen, statt einfach nur den Lehrplan zu schaufeln, und so bekommt man Einblicke und Möglichkeiten.
Dennis: Es gibt auch noch eine Zusammenarbeit mit dem Olli von Good Boys In Action in Berlin. Der kommt ursprünglich von hier und wir arbeiten mit ihm zusammen und machen regelmäßig Designs für T-Shirts, die er dann verkauft. Die Verbindung nach Berlin steht also auch.

Was braucht das Ruhrgebiet?
David: Mehr Coworking Spaces.
Dennis: Bessere Verkehrsanbindungen.
David: Ein einheitliches Verkehrssystem. Und das Ruhrgebiet muss endlich mal als eine Stadt gedacht werden, verwaltungstechnisch und auf das Verkehrsnetz bezogen. Die Eigenbrödlerei kostet viel zu viel Geld.
Timo: Die Kommunen sollten zusammenarbeiten und nicht gegeneinander. So ein Zusammenhalt ist viel wichtiger, vieles würde einfach laufen wenn man Potentiale zusammenlegt und sich nicht ständig nur wegen der eigenen Position sorgt. Außer natürlich beim Fußball …
David: Und mehr Dachgärten und Innenstadtbegrünung. Wir brauchen viel mehr Innenstädte, aus denen man nicht sofort wieder abhauen will.
Was findet Ihr gut am Ruhrgebiet?
Timo: Ich bin sehr zufrieden hier. Hier ist alles so durchgemischt, multikulturell, das gibt es nicht überall.
David: Eine gewisse Weltoffenheit und Toleranz, zumindest in der jüngeren Generation, ist auch da.
Timo: Vielleicht sollte sich die Aussendarstellung da mal ändern, dass die Leute nicht immer nur jammern, sondern auch mal sagen: ‘Wir sind cool, wir können wat und wir sind hier zufrieden.’
Dennis: Der Fußball hier ist besser als in Berlin.
David: Das Bier auch.
Vielen Dank.
Nonstopnerds Blog & Designkollektiv
Ruhrstadt
www.nonstopnerds.com
Nonstopnerds sind vernetzt mit:
All the time | Animalism | Heimatdesign | YAWN | Radau Gestaltung | OK Festival | Good Boys In Action | Concrete Playground







August 15th, 2010 at 11:04
“Wir brauchen viel mehr Innenstädte, aus denen man nicht sofort wieder abhauen will.” Das gefällt mir!!
August 24th, 2010 at 13:22
[...] the whole interview at http://www.pottspotting.de/leute-nonstopnerds-ruhrstadt (german [...]
September 21st, 2010 at 15:12
[...] ist vernetzt mit: Heimatdesign | Concrete Playground | Nonstopnerds jQuery(document).ready(function() { var imageflow2_1 = new imageflowplus(1); imageflow2_1.init( [...]